Schattenwelt



"Und ich verstand die Zeilen,
die der Dichter schrieb,
dass Regentropfen Tränen sind,
wenn der Regen liebt."




WICHTIG! - Bitte gebt eure Blogaddi NICHT an. Ich denke, die die "betroffen" sind, wissen wieso. Danke.







.Startseite.
.Kritik.



.Der Autor.
.Die Idee.
.Das Buch.
.Der Weg.


.Projekt: Leichenblässe.








Anregungen & Kritik
an Svenja.C.Kraemer@web.de
der ins Gästebuch (.Kritik.)

Versprochen ist versprochen

 

Sein Herzschlag hallte noch immer in ihren Ohren. Sie spürte noch immer den gleichmäßigen Rhythmus seines Puls unter ihren Händen. Das Bild seines stummen Schreis hatte sich ihr in die Augen gebrannt. Für immer.

Doch nun durchströmte eine Ruhe den Ort, nach der sie sich so lange gesehnt hatte. Eine gütige Stille, die sie umhüllte, umschloss, erfüllte. Nun bekam sie nach sieben Jahren das, was er ihr immer versprochen hatte.

Obwohl sie erschöpft war, als sie ihren Körper dazu zwang, weitere Schaufeln voll Erde aus der Grube zu heben, war ihr zum Lächeln zu mute. Sie liebte ihn. Sie würde ihn vermissen. Dessen war sie sich bewusst. Doch der Schmerz würde heilen. Letztendlich wäre diese letzte Wunde leichter zu ertragen als jene, die er ihrer Seele Nacht für Nacht zugefügt hatte.

Als sie weinte.
Als er nicht da war.
Als er eine Fremde küsste.
Und noch eine.
Und eine weitere.

Er roch nach endlosen Parfümsorten, war beschmutzt von rotem Lippenstift in jeder Farbvariante. Sie wusste alles. Und obwohl selbst ihm längst bewusst war, dass sie jeden betrügerischen Fakt erkannte, hätte er seine zierliche Angetraute nie zur Rache fähig gehalten. Niemals.

Das war sein wirklicher Fehler.

Das erste Mal sei dreizehn Wochen verbrachte er eine Nacht im geschundenen Ehebett. Seine jetzige Hure schien ihn in der heutigen Sommernacht nicht in sich dulden zu wollen. Es schien, als hätte er auch keinen Ersatz für seine Dirne auftreiben können. So lag er stumm und kalt gebettet auf Lügen. Dass ihm diese Situation missfiel, ließ er sie deutlich spüren.

Er meidete den Blick in ihre Augen.
Er meidete die Berührung ihrer zarten Haut.
Er meidete den Klang ihrer Stimme.

Das letzte, was er sie noch fühlen ließ war Missachtung. Ihr Fehler war es, nicht den Geschmack der verbotenen Frucht an sich zu haben, nicht den verruchten Duft der Angst erwischt zu werden. In seinen Augen, war sie es schon lange nicht mehr Wert sich mit ihr abzugeben. Sich mit ihr zu begnügen. Also strafte er sie mit seinen durchsichtigen Lügen.

Doch es war ihre Chance ihren treulosen Geliebten ein endgültiges Mal an sich zu binden. Womöglich ihre einzige Chance. Diese Sommernacht und keine andere. Keine andere Nacht. Kein anderer Moment. Keine andere Kurtisane.

Nun stand sie an seinem Grab. Ein Messer gezogen. Ließ sein Versprechen endlich wahr werden:


Vor Gott hatte er geschworen,
dass er ihr sein Herz schenke.
Mit Gott als zeugen,
nahm sie sich nun,
was ihr gehörte.