Schattenwelt



"Und ich verstand die Zeilen,
die der Dichter schrieb,
dass Regentropfen Tränen sind,
wenn der Regen liebt."




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Anregungen & Kritik
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Seelenlos, 24. März'09 (komplett)

Er schlich wie eine Katze, hatte die Augen eines Adlers und die Kraft des Bären. Doch er war nichts dergleichen. Er hatte die Schnelligkeit des Pferdes, das Geschick des Fuchses und den Biss einer Schlange. Doch er war nichts dergleichen. Blutrünstig, wie der Hai. Groß, wie ein Rhinozeros. Lauschend, wie die Maus. Doch er war nichts dergleichen


Er war Mensch und Tier, vereint in zwei Gestalten, getrennt durch zwei Leben, verbunden mit einer Seele.

Aufrecht gehend, gehüllt ins Kleidung und mit Spott auf den Lippen. Hass erfüllte sein Herz.

Gebeugt schreitend, der kräftige Körper von Pranken getragen und von dichtem Fell umschlossen. Sein Herz gab sich der Reue hin.


Wer ihn hörte in der Nacht, sein Heulen vernahm, das Rascheln in den düsteren Wäldern, rannte um sein Leben. Verfiel der rasenden Panik, denn sie wussten es nicht besser. Sie wussten nicht wer er war, was er war. Wussten nicht, was er tat und tun würde. Sie wussten nichts und so kannten sie nur die Furcht. Von blinder Angst getrieben, setzten sie hohe Löhne aus, um die vermeintliche Bestie zu vernichten. Ihm, dem Ungetüm selbst, war dies bewusst. Es war nie anders gewesen, er hatte nie weniger und nie mehr Hass empfangen, als jetzt, in Gestalt des Tieres.

Seine Ohren waren dazu fähig auch noch fernab der kleinen Stadt die Worte der Menschen zu vernehmen und ihnen somit immer einen Schritt voraus zu sein. Er hätte die größte Bedrohung bedeuten können, wenn er es gewollt hatte. Doch niemand merkte, dass ihm nichts ferner lag, als Angst und Schrecken zu verbreiten.


Er war kein Monster, nein, das war er für Wahr nicht. Früher, ja, damals, als er noch ein Mensch gewesen war, da war er ein Ungeheuer. Er war die größte Enttäuschung für seine Familie, gefürchtet wurden seine Schläge, die er willkürlich verteilte und seine Worte waren nichts, als entwürdigende Lügen. Die Ehrfurcht vor fremden Besitz fehlte ihm, ebenso, wie der Respekt vor dem Leben in seiner primitiven Endlichkeit. Die Welt schien vor seinen Augen in nichts als Hass zu versinken. Er beugte sich lediglich diesem Schicksal, in dem er es den Menschen offenbarte. Er war die Personifikation von sinnloser Gewalt, von verachtungsvollem Gerede und von übermäßiger Aggressivität. Bis er verstoßen wurde. Unerbittlich gejagt, ebenso, wie sie ihn bereits in Menschengestalt verfolgten oder erschrocken mieden. Scheinbar änderte sich nichts, obwohl alles anders war.

Fern von seiner verhassten Familie, verloren und allein, lernte er zum ersten Mal andere Gefühle kennen. Die Reue, die Sehnsucht, das Mitleid und schließlich die Sorge um jene, die er nun zu brauchen schien. Vor sich selbst fliehend streifte er durch die Länder, dicht gefolgt von seinem eigenen Schatten. Er konnte sich selbst nicht entkommen. Nie, so schien es. So schnell er rannte, so oft er abbog - es verfolgte ihn. Er verfolgte sich. Bei seiner eigenen endlosen Flucht, traf er auf eine schier fremde Welt, die ebenfalls nichts als Ablehnung für ihn zu erübrigen wusste. Getrieben von Furcht und schmerzendem Hunger, versuchte er bei einem Wandervolk unter zu kommen. Doch trotz seiner inneren Wandlung, kannte er nichts als das, was falsch war. Stehlen. Gewalt. Demütigung. Er vermochte es nicht zu tun, dennoch hatte er nie einen anderen Weg erlernt – er war unschuldig. Doch das sahen seine Richter, die Zigeuner, vollkommen anders. Hätten sie ihn gekannt, hätten sie ihn womöglich verstanden, hätten ihn getadelt, jedoch trotzdem eine Chance gegeben seine Richtung zu ändern. Er hätte so viel lernen können, er wollte so viel wissen. Aber niemand beschäftigte sich jemals mit dem, was hinter den ausdruckslosen Augen lag. So wurde ihm auch nun die Schuld gegeben, Schuld ihrem Ältesten verletzt und die Schwächsten beraubt zu haben. Sogar die Kleinsten bedroht. Das teuflisch schöne Weib verfluchte ihn. Seine Strafe wird er dem Boden nahe ertragen, die Hände zum Stehlen fort, das Schandmaul zur Grimasse entstellt. Sein Äußeres wurde ihm vollkommen fremd. Er war sich unbekannt. Endlich war er sich selbst ein Fremdling! Die Begegnung hatte ihm das Unmögliche ermöglicht: Er war sich selbst entkommen.


Ein neues Leben, als Wolfskind, in dessen Gestalt er all seine neuen Erkenntnisse erblühen lassen konnte. Und so ließ er es geschehen.


Er kehrte Heim, zurück zum Ursprung - zumindest fast. Er war nicht mehr der Mensch, der damals fort geschickt, gar vertrieben wurde. Er war nicht mal mehr ein menschliches Geschöpf und so konnte er die Stadt nicht betreten. Noch immer, war er der Verstoßene, der verlorene Sohn, doch zum ersten Mal fand er den richtigen Weg. Tag und Nacht verharrte er am Rand des Waldes, dort, wo das Licht und so auch die Menschen ihn nicht entdecken konnten. Aus sicherer Entfernung spendete er seiner Familie Sicherheit. Mörder und Verbrecher kamen fortan nicht mehr an ihm vorbei, er war das mystische Schutzschild für das kleine Bauerndorf. Auch Täter aus der Stadt verschwanden. Leise und heimlich, unentdeckt und doch sprach man von plötzlichen, brutalen Todesfällen. Er wollte nur etwas richtig machen, er wollte der Samariter sein. Die törichten Menschen erkannten dies nicht. Sie fanden einen leblosen Körper, entstellt durch unzählige Krallen, aufgeschlitzt und verblutet. Es war Mord. Das war es, dass sie sahen. Dass sie selbst zuvor den Toten noch des Mordes angeklagt hatten und ihn erhängen wollten, das verdrängten sie sorgfältig.


Das ruhige und sichere Leben, dass er seiner Heimat gestatten wollte, beunruhigte und verunsicherte die Einwohner mehr und mehr. Nur die Mutigsten trauten sich noch aus den Baracken, jene, die erst als Helden gefeiert, später als Mörder verstoßen wurden.


Als sie den Wolf sahen.

Als sie ihn jagten.

Als sie ihn fingen.

Als sie ihn enthaupteten.

Und unter Tränen den vom Fluch befreiten Leichnam beerdigten.


Er hatte gut sein wollen, doch das verstanden sie zu spät. Sie waren schuldig.

Und das kleine Dorf war fortan eine verlassene Geisterstadt, die Flüchtenden seelenlos.

10.4.10 03:26
 


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